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Es gibt nur wenige Leute, die im Verlauf einer langen Karriere so viel gewagt haben – und gleichzeitig auf derart souveräne Weise ihren Grundprinzipien treu geblieben sind wie Bryan Ferry. Über die Jahre interpretierte Ferry Perlen des Great American Songbook und von Bob Dylan, widmete sich seiner zweiten großen Liebe, dem Jazz, und bewies durch Kooperationen mit Leuten wie DJ Hell, Groove Armada oder sein kürzlich erschienenes Remix-Album, dass er den Anschluss an aktuelle Strömungen nicht verloren hat.

Aber wie sollte er auch: Mindestens die ersten zehn Jahre seiner Karriere war Ferry allen anderen stets meilenweit voraus. Noch während des Kunststudiums zog er Ende der Sechziger nach London. Inspiriert von Scott Fitzgerald, Velvet Underground und Bill Haley gründete er 1970 die Glam-Pioniere Roxy Music. Mit Brian Eno, Steve Mackay, Phil Manzanera und Paul Thompson entwickelte sich ein stabiles Line-up. Die Durchbruchssingle „Virginia Plain“ war für die Band 1972 der Start in eine einmalige Weltkarriere. Parallel nahm Ferry bereits damals eine überaus erfolgreiche Solokarriere auf, die bis zum heutigen Tage anhält. Insgesamt hat Bryan Ferry über 30 Millionen Alben verkauft.

Doch Bryan Ferrys Einfluss geht weit über die Musik hinaus. Er gehört einer Generation an, die einen interdisziplinären Pop-Begriff verfolgte, bei dem Style, Musik, Gestaltung und Image Hand in Hand gehen, der kunstaffin, sophisticated und literaturnah ist. In einer Zeit, in der krachledernde Rocker die Szene dominierten, mit einem Anzug auf die Bühne zu gehen und sich derart distinguiert zu geben, wie Ferry das stets tat, muss man als quasirevolutionären Akt begreifen. „Ich hatte damals wahnsinnig viele verschiedene Einflüsse, die ich erforschen wollte“, sagt Ferry. „Bei Roxy Music ging es darum, unsere mannigfaltige musikalische Inspiration zu einer Art Collage zu bündeln. Später haben die Leute gesagt, das sei der erste postmoderne Pop gewesen, aber daran habe ich gar nicht gedacht. Ich wollte eine interessante Neuversion von allem, was ich in meinem Leben gehört hatte, kreieren.“

Bryan Ferry studierte Kunst bei Richard Hamilton, dem britischen Warhol-Pedant, überführte das Prinzip des englischen Dandys in die Popmusik und brachte das klassische Crooning auf eine ganz neue Ebene. Ohne ihn wären die New Romantics der Achtziger undenkbar gewesen, Radiohead, Madonna und zahlreiche andere berufen sich auf seinen Einfluss. Und natürlich erfand er jenen sexuell aufgeladenen Pop Noir, für den man ihn vor allem liebt – und dem er auf seinem letzten Studioalbum „Avonmore“ abermals zu strahlendem Glanz verhalf.

In seinem Geburtsort Washington, County Durham im nördlichen England residiert Ferry wie ein Lord. Die Partys und das Geschwätz der Branche sind ihm ein Gräuel, seinen Landsitz verlässt er nur für Studioaufnahmen und Tourneen. Vor allem die Bühne ist sein natürliches Habitat. Von der ungebrochenen Klasse des Ausnahmeperformers Bryan Ferry konnte man sich gerade erst auf dem Album „Bryan Ferry live 2015“ überzeugen, welches der Sänger exklusiv über seine Webseite und auf den Konzerten vertreibt. Ohne jeden Zweifel gehört dieser Bryan Ferry zu den souveränsten und faszinierendsten Performern des Pop. Seine Live-Auftritte sind immer noch getragen von dieser einmalig samtenen Stimme, die im Verlauf der Jahrzehnte nichts an Wirkung eingebüßt hat.

Und so fließt alles zusammen, wenn Bryan Ferry sich 2017 – nach seiner von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeierten Erfolgstournee 2015 – ein weiteres Mal auf eine große Deutschland-Tournee begibt, um 45 Jahre nach der Gründung von Roxy Music all die großen Stationen dieser einmaligen Karriere noch einmal Revue passieren zu lassen. Die Set List wird gelegentlich variiert, aber mit etwas Glück hört man im Verlauf eines Konzerts bestechende Versionen von „Slave To Love“, „Virginia Plain“, „More Than This“, „Love is The Drug“, „Let’s Stick Together“ und all den anderen großartig strahlenden Hits dieser Karriere. Klassiker, die die Zeit überdauern werden und nicht ein Jota an Glanz eingebüßt haben.

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Bryan Ferry – Vita

Der englische Sänger und Songwriter Bryan Ferry ist als eleganter und vielseitiger Rock-Rebell bekannt. 1971 gründete der 1945 geborene Ferry gemeinsam mit Freunden die Band Roxy Music. Er wurde Sänger der Artrock-Band und fiel schnell durch seine sehr lebendige und außergewöhnliche Stimme auf. Doch auch als Solosänger machte sich Ferry rasch einen Namen. Ab 1973 brachte er vor allem Cover-Versionen heraus, denen er jedoch durch einen sozialkritischen Anstrich seine eigene Note verlieh.

Cover-Hits und eigene Songs als Solokünstler

Ferrys erste beiden, als Solokünstler veröffentlichten Alben These Foolish Things (1973) und Another Place (1974) bestanden beinahe ausschließlich aus Cover-Versionen. So etwa Sympathy for the Devil oder der Bob-Dylan-Song A Hard Rain’s A-Gonna Fall, mit dem Ferry seinen ersten großen Erfolg als Solosänger feierte. 1977 folgte sein erstes Album, In Your Mind, das nur eigene, neue Lieder enthielt. Die Presse feierte es als einen aufregenden Mix aus zartem Soul sowie Rhythm and Blues und hartem, explosivem Rock ’n’ Roll. Ein Jahr später kam das Album The Bride Stripped Bare auf den Markt, auf dem Ferry seine Trennung von Jerry Hall verarbeitete; es enthielt wieder mehrere Cover-Songs, darunter What Goes On.

Wiedervereinigung mit Roxy Music

Von 1978 bis 1982 trat der Engländer erneut mit seiner alten Band Roxy Music auf, obwohl sich die Gruppe eigentlich getrennt hatte. In dieser Zeit entstanden Manifesto und Flesh + Blood. 1985 veröffentlichte Ferry – nun wieder als Solokünstler – das Album Boys and Girls und landete damit seinen bis dahin größten Erfolg. Ähnlich gut in den Charts platzierte er sich im Jahr 1987 mit dem Album Bête Noire sowie der Single The Right Stuff. Nach einer längeren Pause erschien 1993 das Album Taxi. Im Jahr 2011 verlieh ihm die Königin von England, Elisabeth II., den Titel Commander of the British Empire.