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Indierock? Songwriter-Elektronik? Avantgar-de-Pop? Future-Folk? Psychedelic Art-Rock? Oder gar Experimental Neo-Psychedelia? Wohl jeder so genannte Fachmann für stilistisches Schubladen-denken dürfte sein eigenes Genre nennen, um die ausufernde, in jedem Moment hochspannende Musik des New Yorker Quartetts Grizzly Bear zu beschreiben.

Das Schöne dabei: Jeder von ihnen dürfte ebenso recht haben wie falsch liegen – denn Grizzly Bear sind schlicht nicht zu kategorisieren. Daher die Fakten: Um die Jahrtausendwende startete der Brooklyner Musiker Ed Droste ein Soloprojekt unter diesem Namen; da er zunächst alleine tätig war, fand sich in seiner Musik ebenso das Folk-Moment eines profilierten Singer-/Songwriters, wie er sein tiefes Interesse an elektronisch programmierter Musik auslebte. Das Grizzly Bear-Debütalbum „Horn of Plenty“, 2004 erschienen, war dann auch noch größtenteils ein Alleingang, lediglich auf einigen Songs unterstützt von dem zukünftigen Grizzly Bear-Schlagzeuger Christopher Bear. Die ersten Live-Konzerte bestritten sie sodann als Trio mit dem Bassisten Chris Taylor, doch schnell kam noch ein vierter Mann hinzu, der Gitarrist und Multi-Instrumentalist Daniel Rossen. In diesem Line-Up vergrub sich das Quartett immer tiefer in Abstraktion, die aber niemals die wunderbare Funktion einer guten Melodie vergisst. Das Experiment wurde für Grizzly Bear zum Inhalt, aber nicht zum Selbstzweck. So überraschten sie in den folgenden Jahren auch immer wieder mit unerwartet zugänglichen Songs, die ihnen eine weltweite Fanbasis einbrachten. Der Durchbruch in ihrer Heimat USA geschah im Jahr 2008, als sie mit Radiohead auf Tournee gingen. Nachdem Radioheads Johnny Greenwood bei bald jedem Konzert explizit darauf hinwies, dass Grizzly Bear seine erklärte Lieblingsband sei, wuchs die Beachtung auch international enorm.

Mit dem 2009 veröffentlichten, dritten Album „Veckatimest“ gelang den vier Brooklynern sodann der internationale Durchbruch: Es stieg in zahllosen Ländern in die Top 40 der Albumcharts ein und knackte erstmals auch die Top Ten der US-Billboard Charts. Und das alles mit Musik, die ebenso gut auf der documenta in Kassel laufen könnte, wie sie in Studenten-Cafés dies- und jenseits des Atlantiks passt. 2012 erschien mit „Shields“ das vierte Album, das noch eine Spur abstrakter ausfiel, aber international noch erfolgreicher war. Seither hört man nicht selten, dass Grizzly Bear die US-amerikanische Entsprechung zu Radiohead sei – ein Kreis hatte sich geschlossen. Fast zwei Jahre tourte der Vierer im Anschluss im die Welt und gönnte sich danach seine erste Auszeit seit den Anfangstagen. Daniel Rossen veröffentlichte ein Solo-Album, die anderen wirkten an verschiedenen Projekten mit. Erst im Herbst 2016 verdichteten sich die Gerüchte, dass Grizzly Bear an einem neuen Album arbeiten. Jenes gilt mittlerweile als nahezu fertig gestellt, ein Veröffentlichungstermin ist allerdings noch nicht genannt worden. Anders als beim Vorgänger, den Grizzly Bear in weitab von der Zivilisation gelegenen Studios in Texas und Massachusetts im Rahmen ausgiebiger Gemeinschaftsarbeit aufnahmen, entstand das neue Werk laut Droste „fragmentarischer“: Bedingt durch den Umzug zweier Band-Mitglieder nach Los Angeles traf sich die Band stets nur zu recht kurzen, aber sehr intensiven Arbeits-Sessions. Wie bei ihnen üblich, darf man wieder völlig neue Nuancen und Klang-Ästhetiken erwarten, wie bereits der vorab ausgekoppelte und auf allen bekannten Video-Plattformen abrufbare Song „Three Rings“ beweist: Es ist ein Stück, das nachgerade schwerelos zwischen knackigen Drumpatterns, orchestralen Soundscapes und einer unmittelbar unter die Haut gehenden, äußerst melancholisch gefärbten Leadstimme hin und her oszilliert. Nach den nunmehr fünf Jahren Pause seit dem letzten Album sind die Fans mindestens so elektrisiert wie die Band selber, die gegenwärtig nicht müde wird, fast täglich über die sozialen Netzwerke neue Snippets und abstrakte Kurzvideos zu posten – stets mit dem Vermerk, dass sie es nicht mehr erwarten können, die neue Musik mit der Welt zu teilen.
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