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Ein Volksfeind - Theater Heilbronn
Das neue Kurbad ist die Quelle des Wohlstands in der Stadt. Zahlreiche Gäste kommen, um das Heilwasser zu trinken, darin zu baden und ihre Leiden zu kurieren. Handel und Gastronomie blühen, die Grundstückspreise steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt – das stärkt zudem den Bürger- und Gemeinschaftssinn.
Doch Kurarzt Dr. Stockmann hat in jüngster Zeit gehäuft Fälle von Typhus und Magenbeschwerden zu behandeln. Heimlich lässt er das Heilwasser untersuchen und erhält durch das Gutachten schreckliche Gewissheit: Das Wasser ist vergiftet, gesundheitsgefährdend im höchsten Maße. Verursacht durch Zuleitungen, die durch ein von Industrieabwässern verseuchtes Sumpfgebiet führen. Als Arzt muss Thomas Stockmann die Bürger über die Gesundheitsgefahr informieren. Durch Verlegung der Wasserleitungen ließe sich das Problem beheben. Die örtliche Presse will ihn unterstützen und die Bevölkerung auf die Gefahren hinweisen. Und er informiert seinen Bruder, den Bürgermeister. Stockmann ist froh, der Stadt mit Veröffentlichung dieser Gefahren Gutes zu tun, und er glaubt, die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu haben.
Doch schon bald bläst ihm ein eisiger Wind ins Gesicht. Der Bürgermeister will um jeden Preis verhindern, dass jemand vom vergifteten Wasser erfährt. Eine Verlegung der Leitungen wäre sehr teuer, würde zwei Jahre dauern und die Stadt in ihrer Entwicklung zurückwerfen. Der Ruf des Bades wäre ruiniert und würde sich nicht so schnell wieder herstellen lassen. Mit allen Mitteln versucht der Bürgermeister seinen Bruder einzuschüchtern, damit er den Mund hält. Und auch die Medienvertreter haben kein Interesse mehr an der Veröffentlichung der Wahrheit, wenn ihre persönlichen und finanziellen Interessen darunter leiden. Gemeinsam diskreditieren sie den Arzt, um ihn mundtot zu machen. Der ehrenwerte und bis dahin hochgeschätzte Doktor erkennt, dass er nicht nur gegen den stinkenden Sumpf, der das Wasser vergiftet, vorgehen muss, sondern dass es auch gilt, den gesellschaftlichen Sumpf trockenzulegen. Er nimmt die Herausforderung an, allein gegen all jene, die ihn zum Volksfeind erklären …
Ben Becker: Ich, Judas
Alle bisherigen Shows restlos ausverkauft: Aufgrund des überwältigenden Erfolges gibt es bundesweite Zusatztermine 2019 von Ben Beckers Solo-Performance „Ich, Judas“. Das ursprünglich nur für eine einmalige Aufführung geplante Programm erfährt seit der Premiere im November 2015 einen großartigen Zuspruch bei Publikum und Fachwelt.

Judas, sein Name steht für Verrat. Seine Geschichte ist eine der Schuld ohne Vergebung. Er ist der einzige Feind, für den es keine Liebe gibt, der Meistgehasste, Meistverfolgte und Verteufelte: Judas, der Jünger Jesu, der Gottes Sohn mit seinem Kuss verrät und ans Kreuz liefert. Ben Becker übernimmt seine Rolle.

Der Fall Judas muss neu aufgerollt werden. Eine Geschichte wurde überliefert, ein Urteil gefällt, ein Sündenbock gebrandmarkt für die Ewigkeit. Doch die Geschichte stimmt so nicht, das Urteil ist falsch. „Was war denn zu verraten“, fragt Judas in seiner Verteidigungsrede, „ Jesus‘ Aufenthaltsort? Den kannten Tausende. Sein Großes Geheimnis, dass er Gottes Sohn sei? Das hat er selbst gesagt, vor allen Leuten!“ Und das ist nur der Anfang von vielen Unstimmigkeiten einer Geschichte, die mehr geglaubt als befragt wurde.

Das Bild von Judas, dem Verräter, ist ein Vorurteil mit den fatalsten Folgen: Antisemitismus, Judenverfolgung, Glaubenskriege. Ben Becker erhebt seine Stimme für einen, der auserwählt war, den Anti-Christen zu spielen, um Jesus zum Messias zu machen. „Judas ist nichts ohne Jesus … Aber Jesus ist auch nichts ohne Judas“, so die radikale Erkenntnis von Walter Jens, der in seinem Judas-Monolog die moralischen Gewissheiten jahrtausenderlanger Frömmigkeit erschüttert. Eine gigantische Aufgabe für einen Schauspieler: Hier steht einer auf gegen alle in einem verzweifelten Kampf um späte Gerechtigkeit. „Ich, Judas“ ist das existentielle Plädoyer für einen Verdammten, die Korrektur des größten Fehlurteils der Glaubensgeschichte und der Widerruf eines Irrtums, der die Welt gespalten hat.

Ben Becker sucht mit seiner Interpretation des Judas nicht nur den Widerstand gegenüber Feindbildern, Vorverurteilungen und falschen Gewissheiten. Er spielt Judas genau dort, wo die Fragen des Glaubens und Zweifels, der Erlösung und Verdammnis ihren Ort haben, in Gottes Haus. Die Musik und sakrale Wucht der Orgel, gespielt von Domorganist Andreas Sieling, lassen Ben Beckers Judas-Verteidigung vollends zum Ereignis werden.