The Veils - Tickets

The Veils Tickets
26. September 2017 - 30. September 2017
"We're delighted as always to be returning to Germany, this time with a new album in tow. We can't wait to get out there and have them hear this new record live, it's an unruly beast indeed."
- Finn Andrews

Es existieren die unterschiedlichsten Arten, wie jemand sein Tagebuch schreibt. Die einen reduzieren sich auf das Festhalten von Daten und nüchternen Fakten, andere üben sich in virtuoser Prosa und sprachmächtigen Metaphern. Der in Neuseeland aufgewachsene Brite Finn Andrews, Sohn des ehemaligen XTC-Gitarristen Barry Andrews, nutzt hingegen seit gut einem Jahrzehnt die Songs seiner Band The Veils, um seine Eindrücke, Erlebnisse und kraftvollen Meinungen pointiert abzuarbeiten. Und ebenso, wie sich Auffassungen und Überzeugungen eines Menschen über die Jahre ändern können, so ändert sich auch die Musik von The Veils mit jedem neuen Album – mal mehr, mal weniger radikal, aber doch stets mit Vorsatz. Das einzige, was bei dieser im weiteren Sinne als Indie-Band zu bezeichnende Formation stets gleich bleibt, ist der hohe künstlerische Anspruch an jeden Song, die unbedingte Neugier auf Neues – sowie die höchst klugen Lyrics eines Frontmannes, der mit seinem intellektuellen Blick auf die Welt Texte von sinistrer Poesie schreibt.

Die Geschichte von The Veils begann 2001. Damals war Finn Andrews gerade einmal 18 Jahre alt, hatte aber bereits mehr als zwei Dutzend herausragende Songs geschrieben. Er lebte zu der Zeit in Auckland, schickte seine Demos aber vorzugsweise an Plattenfirmen in England. Geoff Travis, Chef der Indielabel-Legende Rough Trade, erkannte unmittelbar das Potenzial von Finn Andrews und nahm The Veils, damals ein Trio, unter Vertrag.

Nach der ersten Welttournee trennte sich Andrews von seinen bisherigen Mitmusikern, zog zurück nach Neuseeland, überdachte den noch recht Grunge-verhafteten Sound des Debüts grundsätzlich und suchte sich dazu eine neue Begleitband. Von nun an waren The Veils ein Quintett, das sich mit höchst eigenständiger Musik zwischen Indie, Pop und Artrock platzierte. Schon beim zweiten Album „Nux Vornica“, das 2006 erschien, urteilten viele Kritiker, dass The Veils auf dem besten Wege seien, die ebenso düster wie glanzvoll schillernder Grandezza von Nick Cave & The Bad Seeds in eine neue, junge Generation zu tragen. Die beiden im Anschluss erschienenen Alben „Sun Gangs“ (2009) und „Time Stays, We Go“ (2013) belegten, wie sehr sich eine Band, ohnehin mit einer starken eigenen Handschrift ausgestattet, von Album zu Album weiter entwickeln und neue Klangästhetiken absorbieren kann.

Dabei stand der größte stilistische Schritt erst noch bevor – er manifestiert sich nun in dem im vergangenen August erschienenen, fünften Album „Total Depravity“. Das über weite Strecken sehr dunkel gehaltene, auch textlich von vielen privaten und gesellschaftlichen Dämonen erzählende Werk fand seinen besonderen Klang durch das Zutun von drei höchst unterschiedlichen Produzenten. So schrieb Finn Andrews die Demos der neuen Songs in Begleitung von Adam „Atom“ Greenspan, einem Produzent für knackigen, analogen Indierock Marke Maximo Park oder Yeah Yeah Yeahs. Die tatsächlichen Aufnahmen betreute sodann der vielseitige US-Musiker El-P (Run The Jewels, Company Flow), sonst ein Fachmann für extrem speziellen, schleifend düsteren HipHop. Diese ungewöhnliche Kombination aus Andrews Songs und El-Ps Produktionen führte zu einem so noch nicht gehörten Klangkosmos.

Und ein dritter Mann hinter den Reglern leistete Beistand: Dean Hurley, der Studio-Engineer des Regisseurs David Lynch. Mit ihm nahmen The Veils ebenfalls einige Songs in Lynchs eigenem Tonstudio auf; als der Hollywood-Maestro die ersten fertigen Töne des Aufgenommenen vernahm, wurden ihm zwei Dinge sofort klar: Dass die Musik von The Veils nahezu unbedingt in die anstehenden Neuauflagen seines Serien-Klassikers „Twin Peaks“ gehört. Und dass Finn Andrews mit seiner etwas mystischen Aura nicht nur ein ausgezeichneter Frontmann ist, sondern ebenso gut vor der Kamera agiert und daher auch als charakterstarke Figur perfekt in diese Serie passt. Beides wird nun im Verlauf dieses Jahres tatsächlich passieren.
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