Agnes - Theater Heilbronn - Tickets

Agnes - Theater Heilbronn Tickets
25. Oktober 2017 - 22. Februar 2018
»Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet.« Das sind Sätze mit einer unglaublichen Sogwirkung, die Peter Stamm seinem vielfach preisgekrönten Werk voranstellt. Was ist passiert? Man will es wissen und verfolgt atemlos das Geständnis des namenlosen Erzählers. Jenes Schriftstellers, der sich als Sachbuchautor durchschlägt, in einer Lebenskrise zu stecken scheint und eines Tages in der Chicago Public Library eine zarte, elfenhafte Frau kennenlernt.
Als er sie zum ersten Mal sieht, ist es um seine Konzentration geschehen. Immer wieder muss er die junge Frau ansehen. Dabei soll er doch an seinem Buch über amerikanische Luxuseisenbahnen schreiben, denn sein Verleger hatte das Buch bereits fest eingeplant. Das Mädchen erwidert seine Blicke. Ihre Augen faszinieren ihn. Als sie den Saal verlässt, folgt er ihr, setzt sich neben sie. Die beiden trinken Kaffee, reden über Kunst und Politik. Agnes, so stellt sie sich vor, schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit in Physik, spielt in einem Streichquartett und hat ansonsten keine Freunde. Genauso wenig wie er.

Von nun an treffen sie sich jeden Tag, werden ein Paar. Er, der etliche Jahre älter ist als sie, ist ihr erster Mann. Nach vielen gescheiterten Beziehungen hat er eigentlich nicht das Bedürfnis nach einer Partnerschaft. Aber er kann sich ihr nicht entziehen. Die Arbeit an seinem Eisenbahnbuch legt er auf Eis. Stattdessen erinnert er sich an sein eigentliches Schaffen, seine literarischen Versuche, die jedoch niemand lesen wollte. Er erzählt Agnes davon, und sie möchte, dass er eine Geschichte verfasst, eine Liebesgeschichte über sie beide. Er weiß nicht recht, vielleicht wären sie beide enttäuscht. Doch er beginnt zu schreiben und formt Agnes, von der er nicht wirklich viel weiß, weil er sich nicht bemüht, sie zu erkennen, nach seinem Bild. Immer wieder fordert er Agnes auf, mit ihm im gemeinsamen Spiel die Handlung weiterzuentwickeln. Realität und Fiktion verschmelzen auf merkwürdige Weise miteinander. Mehr und mehr gewinnt seine Geschichte Oberhand über ihr Leben.

»Glück malt man mit Punkten. Unglück mit Strichen...«, sagt Agnes zu ihm. »Du musst, wenn du unser Glück beschreiben willst, ganz viele kleine Punkte machen ... Und dass es Glück war, wird man erst aus der Distanz sehen.« »Agnes« ist ein feines, vielschichtiges und tiefgründiges Kammerspiel über versuchte Nähe, die nicht wirklich gelingt, und über die Flüchtigkeit des Glücks.
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